Die Vereinten Nationen in Deutschland

Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und Bundeskanzlerin Merkel eröffneten am 11. Juli 2006 in Bonn den VN-Campus. Seit der "Grundsteinlegung" für den VN-Standort Bonn 1996 haben sich dort 18 der insgesamt 25 in Deutschland ansässigen Büros der Vereinten Nationen etabliert.

Deutschland hat sich durch die Ansiedlung der 25 Büros der Vereinten Nationen in Berlin, Bonn, Frankfurt a. M. und Hamburg zu einem der Sitzstaaten der Vereinten Nationen entwickelt. Mit der Entscheidung der verschiedenen VN-Institutionen, Deutschland zum Sitzstaat ihrer Sekretariate zu machen oder hier Büros zu eröffnen, honorieren die Vereinten Nationen das starke und vielfältige deutsche Engagement für die Weltgemeinschaft.

Berlin beherbergt eine Vertretung des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), ein Verbindungsbüro der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), seit November 2004 ein Verbindungsbüro des Welternährungsprogramms (WFP) und seit 2007 ein Verbindungsbüro der Weltbank.

In Frankfurt a. M. besteht ein Büro der Weltbankgruppe.

In Hamburg befindet sich schon seit 1951 das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen (UIL). Im Oktober 1996 nahm dort außerdem der Internationale Seegerichtshof (ISGH) seine Arbeit auf.

Die Entwicklung des VN-Standorts Bonn

Besondere Bedeutung hat mit seinen 18 VN-Büros der Standort Bonn. Der Weg Bonns zum zentralen deutschen Standort für Organisationen der Vereinten Nationen mit dem thematischen Schwerpunkt auf Fragen der nachhaltigen Entwicklung ist auch eine Folge des Berlin-Bonn-Gesetzes vom 26.04.1994, das den Ausbau der ehemaligen Bundeshauptstadt zu einem Zentrum internationaler und supranationaler Einrichtungen als erklärte Absicht des Gesetzgebers formuliert hat. Einige Organisationen der VN, insbesondere das Sekretariat der so genannten "Bonner Konvention" zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten (UNEP/CMS), hatten ihren Sitz bereits früher in Bonn eingerichtet. Doch wurde erst der Zuzug des Freiwilligenprogramms der VN (UNV) 1996 zum Durchbruch für die Entwicklung des VN-Standorts Bonn. Angesichts des gewachsenen Raumbedarfs stellte die Bundesregierung 1996 den Vereinten Nationen mit dem "Haus Carstanjen" einen eigenen Gebäudekomplex in Bonn-Bad Godesberg zur Verfügung. Nach der Einweihung durch den damaligen VN-Generalsekretär Boutros Ghali zogen dort weitere VN-Sekretariate ein.

Die Ausrichtung der in Bonn angesiedelten VN-Organisationen auf Themen der nachhaltigen Entwicklung belegt einen Schwerpunkt deutscher Interessen und deutschen politischen Engagements in den Zukunftsthemen Entwicklung, Umwelt und Gesundheit.

Die Vereinten Nationen auf dem "VN-Campus Bonn"

Die Zahl der VN-Mitarbeiter in Bonn ist von einigen Dutzend Mitte der 90er Jahre auf heute mehr als 800 gestiegen. Diesem Wachstum trug der Beschluss der Bundesregierung aus dem Jahr 2003 Rechnung, den Vereinten Nationen mit den Gebäuden "Langer Eugen" (früheres Bürohochhaus der Abgeordneten des Deutschen Bundestages) und "Altes Abgeordnetenhochhaus" einen großen Teil des früheren Areals des Deutschen Bundestages als "VN-Campus Bonn" zur Verfügung zu stellen. Damit erhalten nicht nur die Vereinten Nationen internationalem Standard entsprechende Büroräumlichkeiten; Deutschland hat ebenso einen würdigen neuen Nutzer für einen wichtigen Ort der demokratischen Nachkriegsentwicklung gefunden.

17 der 18 VN-Sekretariate in Bonn sind bereits auf dem "VN-Campus" im "Langen Eugen" untergebracht. Das Sekretariat der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), das mit ca. 450 Mitarbeitern heute den mit Abstand größten Personalbestand unter den VN-Organisationen in Deutschland hat und weiter wächst, wird voraussichtlich Ende 2011 vom "Haus Carstanjen" in das dann umgebaute und grundlegend renovierte "Alte Abgeordnetenhochhaus" umziehen. Wegen des starken Personalzuwachses bei UNFCCC wurde außerdem 2009 mit der Planung für den Neubau eines weiteren Bürogebäudes auf dem VN-Campus begonnen.

Dem mit dem Wachstum der VN-Präsenz in Bonn gestiegenen Bedarf an modernen Konferenzmöglichkeiten wird künftig ebenfalls entsprochen werden: Für das unmittelbar neben dem VN-Campus gelegene "World Conference Centre Bonn" (WCCB) wird zusätzlich zum Tagungsbereich des früheren Deutschen Bundestages - Plenarsaal und Altes Wasserwerk – ein moderner Erweiterungsbau unter anderem mit einem großen Konferenzsaal für rund 3.500 Delegierte errichtet. Mit der Fertigstellung, die sich durch finanzielle Probleme eines privaten Investoren verzögert hat, wird Ende 2011 gerechnet. 

Unterstützung durch weitere Institutionen der Entwicklungs- und Umweltpolitik

Die Bundesregierung, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bonn engagieren sich dafür, dass die Vertretungen der Vereinten Nationen durch ein kompetentes und dynamisches Arbeitsumfeld unterstützt werden: Rund 150 Einrichtungen zu Fragen der Entwicklungs- und Umweltpolitik haben inzwischen ihren Sitz oder ein Büro in Bonn, darunter das Zentrum für Entwicklungsforschung, der Deutsche Entwicklungsdienst, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, InWent - aber auch eine Vielzahl halbstaatlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.

18 VN-Organisationen - kurz vorgestellt

Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV)

UNV fördert freiwillige Einsätze als Entwicklungskonzept. Es baut auf der Kultur des Freiwilligendienstes auf und mobilisiert erfahrenes und engagiertes Personal, das vor Ort oder Online Arbeitszeit und Fachwissen in den Dienst der Entwicklung stellt. Das Programm wurde 1970 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Es wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) verwaltet.

Sekretariat des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen (UNFCCC)

Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen (UNFCCC) wurde im Jahr 1992 geschlossen. Es hilft den Staaten, der Herausforderung des Klimawandels zu begegnen. Ziel ist, die Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre auf einem nachhaltigen Niveau zu stabilisieren. Das Übereinkommen ist gegenwärtig mit 189 Regierungen und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft als Vertragspartei fast universal. Das Kyoto-Protokoll - im Jahr 1997 angenommen - konkretisiert Teile des Übereinkommens.

Sekretariat des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der
Wüstenbildung (UNCCD)

Die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung ist 1996 in Kraft getreten. Seitdem arbeitet dieser multilaterale Vertrag daran, die Förderung von nachhaltiger Entwicklung in ariden Ökosystemen sicherzustellen. Ziel der Konvention ist es, Wüstenbildung zu bekämpfen und die Auswirkungen von
Dürrekatastrophen, insbesondere in Afrika, zu reduzieren.

Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (UNEP/CMS)

1979 wurde das Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS - auch bekannt als "Bonner Konvention") geschlossen. Es enthält verbindliche Regeln für den globalen Schutz der bedrohten Tierarten. Darüber hinaus werden im Rahmen der Konvention internationale Abkommen für bestimmte Arten geschlossen.

Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (UNEP/AEWA)

Das Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA) ist ein internationaler Vertrag, der 1995 als Ableger der Konvention der wandernden wildlebenden Tierarten (CMS) geschlossen wurde. Das Abkommen schützt 235 Wasservogelarten in einem Gebiet, das 40 Prozent der Erdoberfläche abdeckt. 

Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee, im Nordostatlantik und der Irischen See (UNEP/ASCOBANS)

Das Abkommen schützt alle Arten von Zahnwalen im Abkommensgebiet mit Ausnahme des Pottwals. Das Sekretariat von UNEP/ASCOBANS ist das Koordinationsorgan des Abkommens. Es stellt die Verwaltungseinrichtung bereit, sammelt und verbreitet Informationen im Bezug auf die Umsetzung des Abkommens und organisiert, unterstützt und bereitet die Treffen der Gremien von Entscheidungsträgern und Beiräten des Abkommens vor.

Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen (UNEP/EUROBATS)

Das Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen (EUROBATS) wurde 1991 unter der Schirmherrschaft von UNEP/CMS geschlossen. Die strategischen Ziele des Abkommens sind die Identifizierung von wichtigen Stätten und Gebieten für den Fledermausschutz, die Überwachung des Zustands und der Entwicklung von Fledermauspopulationen (Monitoring) sowie Studien über ihr Wanderverhalten.

Sekretariat der Vereinten Nationen für die Internationale Strategie zur Katastrophenvorsorge-Plattform zur Förderung von Frühwarnung (UN/ISDR-PPEW)

Die Plattform des Sekretariats der Vereinten Nationen für die Internationale Strategie zur Katastrophenvorsorge (UN/ISDR) basiert auf einer Empfehlung der Zweiten Internationalen Konferenz zu Frühwarnung, die im Jahr 2003 in Bonn abgehalten wurde. Sie fördert die Integration von Frühwarnung in Entwicklungspläne und Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge.

Universität der Vereinten Nationen – Vizerektorat in Europa (UNU-ViE)

Das UNU-ViE wurde im Juni 2007 als erstes UNU-Vizerektorat außerhalb des UNU-Hauptsitzes Tokio eingerichtet. Das Vizerektorat zielt auf die Stärkung der Präsenz der UNU in Europa und soll enge Verbindungen zwischen Gremien des VN-Systems, Regierungen und Hochschul- und Forschungseinrichtungen sowie anderen Stellen entwickeln. Dabei trägt es als ein Forum für Dialog und Ideenaustausch insbesondere zur Entwicklung von Kapazitäten in Entwicklungsländern bei. Thematischer Schwerpunkt des Vizerektorats in Europa sind Fragen der Wissenschaft und Technologie im Dienst der menschlichen Sicherheit.

Universität der Vereinten Nationen - Institut für Unwelt und menschliche Sicherheit (UNU-EHS)

Die Universität der Vereinten Nationen hat das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit (UNU-EHS) eingerichtet, um die Vulnerabilität und die Belastungsfähigkeit der Gesellschaft, die von natürlichen und vom Menschen verursachten Gefährdungen in einer sich verändernden  Umwelt betroffen sind, zu erfassen.

Universität der Vereinten Nationen – Internationales Programm zur Erforschung menschlicher Einwirkungen auf globale Umweltveränderungen (UNU-IHDP)

Das 2007 in Bonn eingerichtete Sekretariat des internationalen interdisziplinären Programms IHDP hat zum Ziel, die Forschung der Ursachen und Konsequenzen menschlicher Einwirkungen auf die globale Umwelt weltweit zu vernetzen und weiterzuentwickeln.

Weltgesundheitsorganisation - Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit (WHO-ECEH)

Ziel des seit 2001 in Bonn arbeitenden Zentrums ist es, zuverlässige Informationen und Rat zur Verfügung zu stellen, sowie die Mitgliedstaaten mit auf Fakten basierenden Strategien zu unterstützen, um öffentliche Gesundheit und urbane Umweltqualität zu gewährleisten und voranzubringen. Schwerpunkte sind Luftverschmutzung, Lärm und Wohn- und Arbeitsbedingungen.

Internationales Zentrum der UNESCO für Berufsbildung (UNESCO-UNEVOC)

Das Internationale Zentrum UNESCO-UNEVOC hilft den Mitgliedstaaten weltweit ihre Einrichtungen zur Berufsbildung und Fortbildung am Arbeitsplatz zu entwickeln und zu verbessern. 

Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen - Verbindungsbüro in Deutschland (UNRIC)

Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNRIC) in Brüssel und sein deutsches Verbindungsbüro in Bonn dienen als Kontaktstelle für die Vereinten Nationen in Deutschland. Hauptaufgaben von UNRIC Brüssel sind die offizielle Vertretung der Vereinten Nationen in Westeuropa und die Verbreitung von Informationen über die Tätigkeit der Vereinten Nationen.

Beratungsstelle der Welttourismusorganisation für biologische Vielfalt und Tourismus für vom Tsunami betroffene Gebiete (UNWTO)

Die im Oktober 2006 eingerichtete Beratungsstelle der Welttourismusorganisation unterstützt die nachhaltige Tourismusentwicklung auf Grundlage der Richtlinien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt und bietet Beratungsleistungen für den Wiederaufbau der vom Tsunami zerstörten touristischen Infrastruktur.

Programm für Kapazitätsentwicklung der UNO Wasserdekade (UNW-DPC) 

Das im August 2007 eröffnete Programmbüro steht unter dem Dach der UN-Universität. Sein Ziel ist es, die Aktivitäten der im UN-Water Verband zusammenarbeitenden VN-Organisationen auf den Gebieten Ausbildung und institutionelle Kapazitätsentwicklung zu koordinieren und zu verbessern.

Space Based Information for Desaster Management and Emergency Response (UN-SPIDER)
SPIDER--Space Based Information for Desaster Management and Emergemcy Response, ein Programm des VN-Weltraumbüros OOSA (Office for Outer Space Affairs), soll als Schnittstelle zwischen Raumfahrtorganisationen und Nutzern dienen und so den Zugang zu Weltraumdaten für die Katastrophenvorbeugung und das Katastrophenmanagement verbessern. Das SPIDER--Space Based Information for Desaster Management and Emergemcy Response-Büro in Bonn wurde am 29. Oktober 2007 eröffnet.

The Economics of Ecosystems and Biodiversity (UNEP-TEEB)

Das im Dezember 2009 unter dem Dach des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Bonn errichtete neue Sekretariat ist für die Koordinierung der weltweiten Arbeiten an der Studie über den wirtschaftlichen Wert von Ökosystemen und biologischer Vielfalt zuständig.

Unterstützung durch weitere Institutionen aus dem Bereich Entwicklungs- und Umweltpolitik

Die Bundesregierung, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bonn sind weiterhin engagiert, dass die Vertretungen der Vereinten Nationen durch ein kompetentes und dynamisches Arbeitsumfeld unterstützt werden: rund 150 Einrichtungen zu Fragen der Entwicklungs- und Umweltpolitik haben inzwischen ihren Sitz oder ein Büro in Bonn (darunter das Zentrum für Entwicklungsforschung, der Deutsche Entwicklungsdienst, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, InWent - aber auch eine Vielzahl halbstaatlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen).

Vereinte Nationen in Deutschland

Das frühere Abgeordnetenhaus "Langer Eugen" in Bonn beherbergt heute VN-Organisationen

Informationszentrum Westeuropa

Informationen über Tätigkeiten und Adressen der Institutionen der Vereinten Nationen in Deutschland können über das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa abgerufen werden: www.unric.org