Deutschlands dienstältestes Studentenmagazin: Unicum

Titel des Unicum-Magazins Bild vergrößern (© Unicum-Verlag) Unicum gehört zum Hochschulalltag wie Mensa und Prüfungsangst. Fast jeder Student hat das Heft mit dem roten Schriftzug schon einmal in den Händen gehalten. Die Lektüre des kostenlosen Magazins zahlt sich aus: Unicum berichtet seit 25 Jahren über alles, was Studierende bewegt.

Anfang der achtziger Jahre hat Manfred Baldschus genug von den "ideologielastigen Studentenblättern" seiner Zeit. In einem Bochumer Studentenwohnheim erarbeitet er gemeinsam mit Kommilitonen ein alternatives Konzept. Als sein Unicum 1983 mit der Titelgeschichte "Examen für die Ablage?" erstmals erscheint, beginnt eine imposante Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert: 1984 zunächst auf Hochschulen in Nordrhein-Westfalen und sieben Ausgaben im Jahr beschränkt, erscheint Unicum inzwischen in einer Auflage von 415.000 Exemplaren monatlich und bundesweit. An 3.200 Stellen wird es vertrieben – und erreicht pro Ausgabe rund 600.000 Leser.

Die Entdeckung des Studenten

"Damals ging es in den meisten Studentenmagazinen um weltanschauliche Themen", sagt Uwe Heinrich, Sprecher des 1985 gegründeten Unicum-Verlags. Imperialismus – ja oder nein? Was ist gut für Südamerika? Diesen Fragen widmeten sich die meist linksalternativen Blätter, die damals an Deutschlands Universitäten verteilt wurden, aus bewusst politischer Warte. Bei Unicum hingegen sollte das Studentenleben mit seinen spezifischen Problemen im Zentrum stehen: Reicht das BAföG aus? Was ist ein Numerus clausus? Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in welcher Stadt? "Unicum nahm eine für damalige Verhältnisse neue Perspektive ein", betont Heinrich. "Es setzte sich mit dem Alltagsleben der Studenten auseinander und gab ihnen eine konkrete Orientierungshilfe."
Manfred Baldschus (rechts) und Hermann-Josef Billst Bild vergrößern (© Unicum-Verlag) Das 25 Jahre alte Konzept ist nach wie vor erfolgreich. Berichte aus dem Campusleben und zur Hochschulpolitik oder Tipps für den Berufsstart haben im redaktionellen Teil ebenso Raum wie bunte Lifestyle-Themen. Das Spektrum reicht von Mode über Wohnungseinrichtungen bis hin zur Wahl des beliebtesten Professors der Republik oder der besten Uni-Mensa. Ergänzt wird die Print-Ausgabe inzwischen von einem Online-Auftritt, bei dem der Nutzwert noch stärker im Vordergrund steht. Hier gibt es unter anderem eine Praktikums-, Job- und Studienplatztausch-Börse.

Nah am Uni-Alltag

Inzwischen arbeiten fünfzig Mitarbeiter für den Unicum-Verlag im Bochumer Verlagsgebäude. Dessen Gründerväter Manfred Baldschus und Hermann-Josef Billstein leiten das Unternehmen immer noch. Unterstützt wird das feste Team von über hundert freien Mitarbeitern, darunter viele Studierende, die über das berichten, was ihnen in ihrem Alltag widerfährt. "Viele unserer Mitarbeiter sind Studenten, die später in Medienberufen arbeiten möchten", sagt Verlagssprecher Heinrich. Sie werden von den Unicum-Redakteuren angeleitet und können so erste berufliche Erfahrungen sammeln. Dank dieses Netzwerks an freien Mitarbeitern gelingt es der Redaktion aber auch, Themen zu finden, die für die Zielgruppe von großem Interesse sind.

Nicht nur redaktionell, sondern auch im Vertrieb beschritt der Unicum-Verlag neue Wege. "Die Idee war, die Magazine dorthin zu bringen, wo sich die Zielgruppe aufhält: auf den Campus." Gegenüber anderen Umsonst-Magazin wie Uni-Spiegel oder Zeit Campus, die zwar das inhaltliche Konzept von Unicum übernommen haben, aber nach wie vor hauptsächlich über den Kiosk vertrieben werden, hat diese Vorgehensweise dem Blatt deutlich mehr Leser eingebracht.

Der Unicum-Verlag
1. Titel des Studenten-Magazins Unicum Bild vergrößern (© Unicum-Verlag) Den Erfolg von Unicum haben die Herausgeber auch auf andere Titel übertragen können. Inzwischen erscheinen im Bochumer Verlag fünf Magazine, deren Zielgruppen sich derjenigen des Studentenmagazins nahtlos anschließen. Unicum Abi richtet sich an Schüler ab 14 Jahren und wird – ebenfalls kostenlos – an Schulen verteilt, die auf das Abitur vorbereiten. Unicum Beruf hingegen zielt auf angehende Universitätsabsolventen und junge berufstätige Akademiker. Job- und Karrierethemen stehen hier im Vordergrund – wiederum eingebettet in einen bunten Mix aus Lifestyle-Themen. Schließlich produziert der Verlag mit UniQueen und UniKing zwei weitere, zweimal jährlich als Beilage erscheinende geschlechtsspezifische Studentenmagazine.

Nicht zuletzt dank dieser Vielfalt ist Unicum auch in Zeiten wachsender Konkurrenz ein Unikum geblieben.

www.unicum.de

Antonia Loick arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin und Autorin sowie als Leiterin des V8 Verlags in Köln

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