Eine jüdisch-muslimische Rettungsgeschichte: Erster Araber als "Gerechter unter den Völkern" geehrt

27. Okober 2017

Der israelische Botschafter übergibt Helmys Neffen Nasser Kotby die Ehrung Bild vergrößern (© Photothek.net/Inga Kjer)

35 Jahre nach seinem Tod wird Mohamed Helmy als erster arabischer "Gerechter unter den Völkern" von der Yad Vashem Gedenkstätte geehrt. Am Donnerstag (26.10.) überreichte Israels Botschafter Jeremy Issacharoff im Seepavillon der Villa Borsig die Auszeichnung an den Helmys Neffen, der aus Kairo angereist war. Mohamed Helmy riskierte während der NS-Diktatur sein Leben, um die Jüdin Anna Boros und ihre Familie vor den Nationalsozialisten zu retten.

Der Retter – selbst im Visier des Regimes

Als der gebürtige Ägypter 1922 nach Berlin kam, um Medizin zu studieren, ahnte er nichts von dem steinigen Weg, den er vor sich hatte. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst am Robert-Koch-Institut. Doch unter dem Nazi-Regime wurde er entlassen – als "Nichtarier" wurde ihm die Beschäftigung im öffentlichen Gesundheitswesen verboten. Auch seine deutsche Verlobte durfte er nicht heiraten. 1939 wurde er zusammen mit anderen Ägyptern verhaftet und verbrachte anschließend ein Jahr im Gefängnis. Mohamed Helmy riskierte sein Leben, als er einer jüdischen Familie in einer Hütte im Berliner Stadtteil Buch einen Zufluchtsort bot.


Die Geschichte von Mohamed und Anna

Nasser Kotby kommt zu der Ehrung durch Yad Vashem von Mohamed Helmy, der bisher einzige Araber unter den 'Gerechten unter den Voelkern' Bild vergrößern (© Photothek.net/Inga Kjer)

Obwohl ihn das Regime bereits im Visier hatte, erhob der Arzt aus Ägypten immer wieder seine Stimme gegen die menschenverachtende Politik der Nazis. Anna war seine Patientin und wandte sich im Augenblick größter Not an Mohamed Helmy. Fortan gab Mohamed Anna als seine Nichte aus, sogar direkt unter den Augen der Gestapo. Er kümmerte sich bis zum Ende des Krieges um die vier Familienmitglieder und rettete ihnen so das Leben. Die Familie wanderte später in die Vereinigten Staaten aus. Ihren Retter aber vergaßen sie nie. In mehreren Briefen forderten sie den Berliner Senat dazu auf, Helmy als Retter der Juden zu ehren. Mohamed und Anna hatten bis zu ihrem Lebensende Kontakt.

Ehrung der Yad Vashem Gedenkstätte

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrt Menschen, insbesondere Nichtjuden, die ihr Leben für die Rettung von Juden aufs Spiel gesetzt haben. Damit soll auch das Gedenken an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocausts wachgehalten werden. Am 12. März 2013 hat die Kommission für die Anerkennung der Gerechten in Yad Vashem entschieden, Mohamed Helmy als ersten muslimisch-arabischen Retter mit dem Titel "Gerechter unter den Völkern" zu ehren. Diesen Titel möchte die Familie von Herrn Helmy nun annehmen.

Über seine Geschichte wurden bereits zwei Bücher geschrieben: Ronen Steinke: Der Muslim und die Jüdin. Die Geschichte einer Rettung in Berlin (2017), sowie von Igal Avidan: Mod Helmy. Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete (2017). Taliya Finkel aus Israel hat die Geschichte in "Mohamed and Anna – In Plain Sight" nun auch verfilmt.

Zum Weiterlesen:
Bilaterale Beziehungen zu Israel

© Auswärtiges Amt